398 Jahre Karneval in Blankenheim

Pressebericht 2
 

Home
Vorstellung
Chronik
Karnevalsverein
Karnevalsbrauchtum
Geisterzug
Pressearchiv
Fotos 2001
Termine
Kirmes
Mundart
Karnevalsmuseum
Prinzen der Neuzeit
Orden
Spassiges Bilder2007

 

Pressebericht 2

Von Geistern und betrübten Herzen

Blankenheim - Köln im Karnevalsrausch: So ein richtiger Domstädter schaut jetzt nur widerwillig über den Tellerrand närrischen Treibens seiner Stadt hinaus. Erstens: Hat er nicht nötig. Zweitens: Die Zeit fehlt. Ist er doch mit so zehrenden Dingen wie Alaaf rufen, Schunkeln und Bützen befasst. Wir tun es trotzdem.

Bild: Enseling

Südwestlich der Hochburg rheinischen Frohsinns liegt Blankenheim, laut örtlicher Broschüre die „Ahrmetropole“. Und reden wir nicht drumrum: Der „Blangemer“ Ahrmetropolit feiert auch Karneval - seit 1613. Und er hat den ältesten Karnevalsverein in NRW. Da kann der Kölner nicht mit. Bewiesen und dokumentiert ist die Narretei im Karnevalsmuseum der Stadt, das im Georgstor, einem von zwei alten Stadttoren, Quartier bezogen hat. Alte Karnevalsplakate (das älteste von 1886), nachgebaute Traditionsfiguren, „antike“ Orden und Elferratsprotokolle zeigen, dass der Ahrmetropolist seinen Karneval mindestens so ernst nimmt wie der Rheinländer. Das bestätigt Herbert Meyer mit jeckem Glanz in den Augen. Der zweite Vorsitzende des örtlichen Karnevalsvereins, der Kegelclubs oder Schulklassen durch das winzige Museum schleust, erzählt vom Geisterzug, den „Jecke Böhnchen“, dem Obergeist, den Herz- und Finanzpagen, dem „Schelleböümche“, den Eiersammlern und der stolzen Kaisergarde. Und beim Lauschen bekommt der mit besten arroganten Absichten angereiste Kölner das irritierende Gefühl, dass es sich hier um ein ernst zu nehmendes Phänomen und eine achtbare Tollitätskonkurrenz geht. Auch in Blankenheim ist Karneval anstrengend: In der Woche zuvor zieht eine mit einem Schellenbäumchen (früher ein Weihnachtsbaum) verzierte Musikkapelle (immer schon Junggesellen) Abend für Abend durch die Stadt und wird hier und da mit einem Schnäpschen oder zwei . . . versorgt. Höhepunkt aber ist der Zug von etwa 2000 Geistern, die am Samstagabend in seitlich auszuführenden Sprüngen durch's Städtchen hüpfen, den Winter auszutreiben suchen und Tausende Besucher anlocken. Das Städtchen ist dann dunkel, nur bengalische Feuer werfen ein gespenstisches Licht auf die Springer, deren Kopf zwei Bettlaken-Würstchen zieren. Bis heute streiten die Blankenheimer, ob es sich dabei um Hörner oder Ohren handelt. Was unstrittig ist: Die Gespenster johlen laut, und singen das typische „Juh Jah“ und haben das ganze Jahr laut Liedtext „Kribbel en d'r Botz“.

Die Besucheraugen schweifen staunend über die Museumswände mit Karnevals-Ankündigungs-Plakaten. Da erfährt man, was etwa 1901 los war: „Auftreten des berühmten Doktor Eisenbart mit seiner wunderbaren Heilmethode, Gesang und Musikbegleitung. Kranke und Gichtgeplagte werden auf Wunsch vom Leben zum Tode befördert.“ Und Aschermittwoch: „Großer allgemeiner Katzenjammer wie alljährlich, große Häringsschmauserei, betrübte Herzen, Kopfschmerzen und leere Portemonnaies.“ Also wie in Köln.

So ganz anders als in Köln: Bis in die fünfziger Jahre hinein war es Blankenheimer Tradition, sonntags ein Theaterstück aufzuführen. Zum Beispiel Henrik Ibsens „Stützen der Gesellschaft“. Hat der Kölner nicht.

Karnevalsmuseum: Georgstor, Blankenheim (0 24 49-70 59), geöffnet nach Absprache. Eintritt frei.

Anreise: A 1, Ausfahrt Blankenheim. ÖPNV: Bf. Blankenheim-Wald, von da Bus nach Blankenheim.

 

Zurück Weiter

 

Presseberichte 2002 Übersicht ] Pressebericht 1 ] ] Pressebericht 1 ] [ Pressebericht 2 ] Pressebericht 3 ] Pressebericht 4 ] Pressebericht 5 ]