Karneval in Blankenheim
Pressearchiv 1999 / 2000
Nullen fürs Millenium gesucht
Juh-Jah
für 1000 Johr
Rathaus-Empfang
Protest der Jecken an der Ahr
Kostüme der Geister sind vorgeschrieben

Blankenheimer backten und zeichneten
beziehungsreich

Der Blankenheimer Prinz Franz I. (Oebel) mit Prinzessin Ursula,
Herzpage Gunter Lorenz (li), Finanzpage Hans-Josef Bell mit Jecke Böhnchen Marcel Koch,
Alexander Reetz (li)
Präsident Arno Trappen begrüßte am Samstagabend im Hotel Finkenberg die Elferräte
aus Blankenheim, Blankenheimerdorf und das närrische Publikum. Die Borsalino-Band stimmte
die Karnevalisten auf die fünfte Jahreszeit ein. Marcel Koch und Alexander Reetz werden
in der kommenden Session als Jecke Böhnchen und Geisterzugvorspringer auftreten.
Elferratsmitglied Hermann Josef Esser hat sich freiwillig bereit erklärt, die Jecke
Böhnchen zu trainieren.
Spannend wurde es, als Vorsitzender Hubertus Helmig und Arno Trappen auf Prinzensuche
gingen. Das Jahr 2000 hat drei Nullen, deshalb wurde gefragt: ,,Können sie sich
vorstellen, dass es hier im Saal noch Nullen gibt?" Zunächst meldete sich Hans-Josef
Bell, der entsprechend seinem Berufsstand eine gebackene Null präsentierte. Der Künstler
Gunter Lorenz aus Blankenheimerdorf skizzierte eine künstlerische Null auf Papier. Jetzt
fehlte noch ein Paar, die Beziehungen zu einer Zwei und einer Null hätten. Spontan waren
Franz Oebel und seine Frau Ursula wohnhaft auf dem Blankenheimer Finkenberg bereit, als
neues Prinzenpaar im Millennium die Narrenschar an der Ahr zu führen. Franz Oebel ist 51
Jahre alt und Berufsschullehrer. Ursula Oebel, 43 Jahre alt, leitet die
Jugendbildungsstätte des Kreises Bergheim auf dem Finkenberg. Prinz Franz I und
Prinzessin
Ursula wählten sich als Finanzpagen Hans Josef Bell und als Herzpagen Gunter Lorenz,
beide aus Blankenheimerdorf. Dann gab der Prinz sein Motto bekannt
,,Et blev esu wie et och wohr, dr Juh-Jah klingt noch dousend
Johr".
Das scheidende Prinzenpaar Richard I. und Prinzessin Ingrid bedankte sich und
wünschte, dass Franz und Ursula die Session genau so mit Herz überstehen, denn Lache sei
die beste Medizin. Helmut Kortgen übergab als Stellvertreter des Bürgermeisters den
Schlüssel des Rathauses. Walter Schmitz, Sitzungspräsident von Blankenheimerdorf freute
sich dass wieder "Dörfer" dabei sind. Karnevalsfreunde aus Rodenkirchen ehrten
den neuen Prinzen mit einem Krug aus der Zeit als der Blankenheimer Karneval entstand.
Kölner Rundschau vom 15.11.1999

"Et bliev esu wie et wor, der Juh-Jah klingt noch 1000 Johr",
lautete das Motto der Blankenheimer Jecken zum Jahrtausendwechsel. Immerhin hat der Verein
mit dem Gründungsjahr 1613 schon recht lange durchgehalten, so dass Hoffnung für die
nächsten "1000 Johr" besteht. Jedenfalls waren die Blankenheimer Narren
Samstagabend guter Dinge, als der Vorsitzende Hubertus Helmig und Präsident Arno Trappen
der Narrenschar das neue Prinzenpaar Franz und Ursula Oebel präsentierten.
Der 51jährige "Dompteur" (Berufsschullehrer) lebt seit 1966 in
Blanekheim und ist seit Jahren im Karnevalsvorstand als Schriftführer vertreten. Vor
Jahren wurde ihm von der Universität Brügge der Titel "Dr. humoris causa"
verliehen. Prinzessin Ursula ist als Kreistagsabgeordnete und Leiterin des Finkenhofes
noch bekannter im Ort als der neue Prinz. Traditionsgemäß hatte Prinz Franz auch sein
Gefolge mit zur Proklamation gebracht, das in Blankenheim aus "Pagen" und
"Jecke Böhnchen" besteht. Die Rolle der Pagen hatten Gunter Lorenz und Hans
Josef Bell übernommen, als "Jecke Böhnchen" fungieren in diesem Jahr Marcel
Koch und Alexander Reetz.
Kölner Stadtanzeiger vom 15.11.1999

Blankenheim - Auf wenig Gegenliebe beim Karnevalsverein Blankenheim
stößt der Vorschlag von Bürgermeister Karl-Heinz Gatzen (CDU), künftig am
Weiberdonnerstag zu einem Empfang ins Rathaus zu bitten. Als Reaktion auf einen
SPD-Antrag, künftig am Karnevalssamstag Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft zu
einem "Geisterempfang" ins Rathaus einzuladen, hatte CDU-Fraktionschef Hans
Peter Wasems angeregt, ein solches Ereignis an einem anderen Tag zu organisieren. In
Anlehnung an die Gebräuche in anderen Eifelorten will Bürgermeister Gatzen überprüfen,
ob künftig am Weiberdonnerstag die Bevölkerung zum Rathaussturm eingeladen wird. Auch
die Schlüsselübergabe soll dann an seinem Amtssitz stattfinden.
"Wir sind nicht irgendein Eifeler Karnevalsverein, der kurz nach dem Krieg gegründet
wurde, sondern blicken auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück", meldete sich
gestern Hubertus Helmig, Vorsitzender der Blankenheimer Narren zu Wort. Schon seit
Menschengedenken fänden die Proklamation und die Schlüsselübergabe an das Blankenheimer
Prinzenpaar am Sonntagvormittag an der Ahrquelle statt. Und an dieser Tradition werde man
auch weiterhin festhalten.
In all den Jahrhunderten habe man nur eine Änderung im Ablauf der
Karnevalsfeierlichkeiten vorgenommen, und die sei auf den damaligen Papst zurückgegangen:
"Als die katholischen Messen nicht mehr in Latein gehalten werden mussten, sondern
auch in der heimischen Sprache verlesen werden durften, haben wir den Gottesdienst von
Montag auf Sonntag verlegt, damit ein paar Menschen
mehr in die Kirche kommen", erklärte Helmig. Gleichzeitig habe man für die
Karnevalsmesse nicht das Hochdeutsche, sondern Blankenheimer Platt als Sprache
eingeführt.
CDU-Fraktionschef Hans Peter Wasems wohne in Ripsdorf und sei im dortigen Karnevalsverein
aktiv. "Von den Blankenheimer Sitten hat er keine Ahnung", wehrte sich der
Blankenheimer Karnevalschef gegen Eingriffe von den Außenorten in die alten Gebräuche
des Hauptortes.
Keine Zeit
Zudem hätten die Blankenheimer Karnevalisten an Weiberfastnacht überhaupt keine Zeit
für einen Rathaussturm. "Dieser Tag gehört der Jugend und den Alten", sagte
Helmig. Den ganzen Donnerstag über sei das Prinzenpaar samt Anhang in der Gemeinde
unterwegs, um sämtliche Kindergärten, Schulen und Altersheime zu besuchen.
"Außerdem müssen wir an diesem Tag ja noch als Ehrengäste zum Möhnenzug nach
Blankenheimerdorf", meinte der Vorsitzende. Denn mit diesem Verein sei man, nachdem
der Streit der Vergangenheit beigelegt wurde, zwar noch nicht verbrüdert. Aber man gehe
immerhin schon "wie Vettern" miteinander um.
Falls Bürgermeister Gatzen an seinen Plänen für einen Rathaussturm festhalte, werde man
sich zwar "herausputzen" und mal blicken lassen, denn "Adel
verpflichtet". Und man nehme grundsätzlich jede Einladung an.
Als Kompromiss könne man sich einen Rathausempfang vor dem Geisterzug am Karnevalssamstag
vorstellen, meinte Hubertus Helmig. Denn nachdem der frühere Empfang der Gemeinde wegen
Geldmangels vor zehn Jahren eingestellt wurde, habe der Karnevalsverein seinen eigenen
Empfang im Georgstor ins Leben gerufen. "Dort ist es vor dem Zug immer
rappelvoll", sagte der Vorsitzende. Falls die Gemeinde auch wieder einen Empfang
geben wolle, müsse man halt einfach etwas früher anfangen.
Kölner Rundschau vom 15.11.1999

Blankenheim lädt wieder die Narren ein
Blankenheim - Das herausragende karnevalistische Ereignis am
Karnevalswochenende in der Eifel findet am Karnevalssamstag, 4. März, um 19.11 Uhr mit
dem Geisterzug statt. Hierzu laden die Blankenheimer Tollitäten, Prinz Franz I. als
Obergeist und seine Prinzessin Ursula, Geister aus Nah und fern zum Spektakel ein.
Bei bengalischem Feuer- und Fackelschein nehmen sie beim traditionellen
und bundesweit einmaligen Geisterzug Besitz vom historischen Burgort und lehren in den
romantischen Gassen den Winter das Fürchten.
Unter den Klängen des traditionellen Karnevalsmarsches "Juh-Jah,
Kribbel in dr Botz" ziehen die Geister durch Blankenheim, um als wirbelnde Tanz- und
Frühlingsgeister die finsteren Winterdämonen zu vertreiben. Wer als Geist die
mittelalterlichen Gassen springen möchte, benötigt lediglich zur Kostümierung ein
weißes Bettlaken und eine Pechfackel - und schon kann der Spuk losgehen. Bettlaken und
Kordel sind von zu Hause mitzubringen, Pechfackeln gibts gegen eine Gebühr am
Rathhauseingang. Die Blankenheimer Karnevalisten helfen dann beim richtigen Anlegen des
Geisterkostüms. Zur Wahrung der über Jahrhunderte überlieferten Tradition können am
Umzug nur Geister im vorgeschriebenen Kostüm teilnehmen.
Die mittelalterlichen Stadttore, Georgstor und Hirtenturm, Nepomuk und
Grafenburg verleihen in ihrem bengalischen "Feuer" dem Spektakel wahrhaft
geisterhafte Züge. Nach dem Geisterzug sind alle, Geister und Zuschauer, zum Geisterball
in die Weiherhalle eingeladen.
Kölner Rundschau vom 18.02.2000


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